Graugrüne oder gelbliche Flecken, die sich kreisrund ausbreiten und sich fest wie eine Kruste anfühlen, sind fast immer Flechten. Wer sie mit einem feuchten Tuch abwischen will, merkt schnell: Sie sitzen. Genau das unterscheidet Flechten an der Fassade von Algen und Moos – und macht sie zum hartnäckigsten der drei Fassadenprobleme.
Was Flechten an der Fassade sind und warum sie hartnäckiger sind als Algen
Flechten sind keine einzelne Pflanze, sondern eine Symbiose aus Pilz und Alge. Der Pilz bildet feine, wurzelähnliche Hyphen, die sich mechanisch im Untergrund verankern – bei Algen fehlt diese Verankerung komplett, sie liegen nur als Film auf der Oberfläche. Deshalb hilft bei Flechten kein einfaches Abspülen: Die Hyphen sitzen mehrere Millimeter tief im Putz, Naturstein oder in den Klinkerfugen.
Flechten wachsen fast ausschließlich auf mineralischen Untergründen. Klinker, Naturstein und mineralischer Putz bieten die raue, wasserdurchlässige Struktur, die sie zum Verankern brauchen. Auf glatten Flächen wie Glas oder beschichtetem Blech findet man sie fast nie – dort dominieren eher Algen.
Ein Flechtenbefall ist außerdem ein Zeitindikator. Flechten wachsen extrem langsam – oft nur wenige Millimeter pro Jahr. Wenn Sie handtellergroße Flechtenflecken an der Fassade sehen, steht der Befall meist schon seit fünf bis zehn Jahren dort. Ein Nebeneffekt, den kaum jemand kennt: Viele Flechtenarten reagieren empfindlich auf Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid. Ihr Vorkommen gilt in der Biologie als Indikator für vergleichsweise saubere Luft – was den Befall nicht weniger unschön macht, aber erklärt, warum er auf dem Land oft ausgeprägter ist als in der Innenstadt.
Zur Abgrenzung: Ist der Bewuchs dreidimensional, polsterartig und speichert sichtbar Wasser, handelt es sich eher um Moos an der Fassade. Flechten dagegen bleiben flach, krustig oder blättrig und wachsen kreisförmig von einem Zentrum aus.
Flechten von der Fassade entfernen – Schritt für Schritt
Flechten von der Fassade zu entfernen bedeutet: einwirken lassen, nicht abschrubben. Mechanisches Bürsten oder Kratzen reißt die Kruste zwar ab, lässt die Hyphen aber im Untergrund zurück – der Befall kommt innerhalb weniger Monate zurück, oft dichter als vorher.
- Befundaufnahme und Probefläche: Wir prüfen Untergrund und Befallsstärke vor Ort und behandeln eine Probefläche, damit Sie das realistische Ergebnis vorab sehen.
- Spezialmittel auftragen: Ein alkalisches oder bioziden Flechtenmittel wird satt auf den Bewuchs aufgetragen – bei Flechten braucht es eine deutlich höhere Konzentration als bei Algen.
- Lange Einwirkzeit: 30 bis 90 Minuten, je nach Dicke der Kruste. Das Mittel muss bis in die Hyphenstruktur vordringen, um den Pilzpartner der Symbiose abzutöten.
- Sanfte Softwash-Spülung: Abgestorbene Flechten werden mit maximal 30 bar von oben nach unten abgespült – nie mit Hochdruck, der Klinkerfugen und Putzoberflächen aufreißen würde.
- Zweite Behandlung nach etwa vier Wochen: Bei starkem oder altem Befall überleben einzelne Hyphenreste den ersten Durchgang. Eine kürzere Nachbehandlung entfernt sie vollständig.
Auf Klinkerfassaden ist diese Reihenfolge besonders wichtig: Die Fugen sind poröser als der Stein selbst und damit die Stelle, an der Hyphen am tiefsten eindringen.
Kosten: Flechten Fassade entfernen lassen
Flechten liegen preislich am oberen Ende der Fassadenreinigung: 10–16 €/m², weil die lange Einwirkzeit und häufig eine zweite Behandlung eingerechnet sind. Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Fassadenfläche kostet ab 2.400 € Festpreis, mit abschließender Imprägnierung ab 3.500 €.
| Merkmal | Algen | Moos | Flechten |
|---|---|---|---|
| Erkennung | Grüner bis schwärzlicher Film, glatt und flächig | 3D-Polster, grün-braun, speichert sichtbar Wasser | Krustig oder blättrig, grau-grün-gelb, kreisrundes Wachstum |
| Risiko für den Untergrund | Hält Feuchtigkeit, begünstigt Frostschäden | Speichert bis zum Dreifachen des Eigengewichts an Wasser | Hyphen verankern sich im Substrat, Säureausscheidung möglich |
| Entfernungsmethode | Biozid, kurze Einwirkzeit, Softwash | Biozid, 30–60 Min. Einwirkzeit, Softwash | Spezialmittel, 30–90 Min. Einwirkzeit, oft 2 Durchgänge |
| Preis | 8–14 €/m² | 8–14 €/m² | 10–16 €/m² |
Mehr zur Preisbildung insgesamt finden Sie auf unserer Übersichtsseite zu Fassadenreinigung-Kosten.
Flechtennarben nach der Behandlung – was bleibt?
Nach fachgerechter Behandlung ist die Flechte weg – die Frage ist, ob der Untergrund darunter noch aussieht wie vorher. Flechten scheiden beim Wachsen schwache organische Säuren aus, unter anderem Oxalsäure, die mineralische Oberflächen über Jahre minimal anätzt.
Bei Naturstein und Klinker kann das nach der Entfernung als helle, leicht raue Verfärbung sichtbar bleiben – eine Flechtennarbe. Sie betrifft fast ausschließlich Befall, der länger als fünf Jahre unbehandelt war. Bei frisch erkanntem Befall unter zwei Jahren treten Narben kaum auf.
Eine hydrophobierende Imprägnierung direkt nach der Reinigung schließt die Poren, in denen sich neue Flechtensporen sonst festsetzen würden. Sie verhindert damit nicht die alte Narbe, aber den nächsten Befall – in der Regel für 5 bis 8 Jahre.
Unsicher, ob Ihre Fassade Flechten, Moos oder Algen hat? Fordern Sie eine kostenlose Probereinigung an – wir bestimmen den Befall vor Ort und zeigen das Ergebnis an einer Testfläche, bevor Sie sich entscheiden.


